Jujuy sagt basta!

Artikel und Video von unserer Genossin Marta Aparicio zu den Demonstrationen der Jujenos in Nordargentien:

Seit mehr als einem Monat stehen die Jujenos in Nordargentinien ununterbrochen auf der Straße. 

Die Aufstände begannen im Juni mit dem Streik von Lehrern für eine Gehaltserhöhung. Die Lehrergehälter in Jujuy zählen zu den niedrigsten des Landes. Ein/e Lehrer/in verdient umgerechnet 110 Euro im Monat. 

Der Streik fiel zusammen mit Demonstrationen gegen den Versuch des Gouverneurs der Provinz Jujuy, Gerardo Morales, die Verfassung zu ändern. Gegen seine antidemokratischen Maßnahmen wehren sich nun neben den Lehrern auch die indigenen Gemeinschaften (pueblos originarios), junge Menschen, Umweltaktivisten, Arbeiterinnen und Arbeiter, soziale Organisationen und Mitglieder linker Parteien. 

Mit der Verfassungsreform will Morales multinationalen Konzernen alle Rechte und ungehinderten Zugang zum Abbau der Lithiumvorkommen in der Provinz verschaffen. Um dies zu erreichen, gehören zu seiner Reform die Enteignung der indigenen Bevölkerung, die Erleichterung der Ausweitung von Bergbauaktivitäten auf indigenem Land sowie Verbote von Straßendemonstrationen, damit diese gewaltsam und zügig unterdrückt werden können. Er möchte die Straßenblockaden beseitigen, die seinen Plänen im Wege stehen, das „weiße Gold“ Lithium an internationale Unternehmen zu verscherbeln.

Den Jujenos und allen anderen Argentiniern ist bewusst, dass sie sich jetzt mit allen Mitteln dem Raub und der Ausplünderung ihres Landes, der Vergiftung ihres Wassers entgegenstemmen müssen. Ein ökologisches Desaster steht vor der Tür, das die Verödung der Landschaft und die Vertreibung der dort ansässigen Menschen zur Folge haben wird. Der sogenannte grüne Kapitalismus soll dem wohlhabenden Norden ein mit sauberer Energie unterfüttertes und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen. Der Preis ist jedoch die Plünderung und Zerstörung des Lebensraumes, in dem das „weiße Gold“ vorkommt. 

Hier in Deutschland wird uns erzählt, dass mit Lithium-Ionen-Batterien betriebene Fahrzeuge eine ökologische und verantwortungsvolle Alternative sei. Dabei wird jedoch verschwiegen, woher die Rohstoffe kommen und was für katastrophale Konsequenzen ihre Gewinnung für die Menschen in anderen Teilen der Welt haben.

Wir dürfen die leeren Versprechen des „grünen Kapitalismus“ nicht hinnehmen. Vielmehr müssen wir eine globale Strategie entwickeln, die für alle Menschen in allen Erdteilen gut ist, nicht nur für uns im wohlhabenden Norden.

Am 1. August 2023 beginnen in Argentinien die Feierlichkeiten der „Pachamama“, der Mutter Erde, unserer Gaia. Die Kolonne der indigenen Gemeinschaften, der „Malón“, wird dann nach 10 Tagen aus allen Teilen Argentiniens in Buenos Aires eintreffen. Dort wollen sie die politisch Verantwortlichen wachrütteln, damit diese endlich etwas unternehmen gegen die inhumanen Folgen der sogenannten Reformpolitik des Gouverneurs in Jujuy. 

Setzen auch wir hier in Deutschland, in Europa ein Zeichen der Solidarität: Sagen wir Nein zur Verfassungsreform! ​
Reden wir mit unseren grünen Politikern, damit sie sich gegen die Vernichtung der Umwelt in Argentinien und anderswo einsetzen. Unser Weg der erneuerbaren Energien darf nicht den Lebensraum in anderen Teilen der Erde zerstören. Stellen wir uns an die Seite der „pueblos originarios“, wollen auch wir nicht zulassen, dass ihr Grund und Boden, auf dem sie seit vielen Generationen leben, verseucht wird!
Kämpfen wir mit ihnen, damit sie nicht aus ihrer angestammten Heimat vertrieben werden!