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„Es lohnt sich, hartnäckig zu bleiben“

Ein Gespräch mit Laura Halding-Hoppenheit zu ihrer Beteiligung an der 12. CSD-Parade in Bukarest an diesem Wochenende. DIE LINKE in Stuttgart wünscht der Genossin guten Aufenthalt und der LSBTTIQ-Community in Rumänien einen kämpferischen CSD mit möglichst hoher Beteiligung.


Laura, wie kommt es, dass du den weiten Weg auf dich nimmst, um dich am CSD in Bukarest zu beteiligen?

Für mich ist das selbstverständlich. Ich beteilige mich seit vielen Jahren am CSD in Rumänien. 20 Jahre nach dem Fall des eisernen Vorhangs und 35 Jahre nachdem ich in den 1970er Jahren nach Deutschland gekommen bin, war ich beim ersten CSD in Bukarest im Jahr 2007 schockiert zu sehen, wie in meiner alten Heimat Schwule angefeindet und angegriffen wurden. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich habe gesagt: „jetzt musst du dich zuhause wieder einmischen“. Seitdem besuche ich regelmäßig die Parade in Bukarest als Aktivistin für die Rechte schwuler Menschen, aber auch als Politikerin der LINKEN.

Die Rechten machen Politik mit der Anfeindung von Schwulen“

Wie war die Lage für Schwule in Rumänien in den 2000ern? Und wie hat sich die Situation seitdem entwickelt?

Man muss sagen, dass Homosexualität in der sowjetischen Zeit nicht öffentlich thematisiert wurde. Schwule und Lesben waren im Alltag nicht sichtbar. Gleichzeitig waren viele schwule Künstler die kulturellen Aushängeschilder des rumänischen Staates. Jedenfalls gab es keine offenen Anfeindungen. Das hat sich nach der Wende geändert. Der Einfluss von christlichen Fundamentalisten, der orthodoxen Kirche und rechten und nationalistischen Gruppierungen hat stark zugenommen – und die haben unter anderem Politik mit der Anfeindung von Schwulen gemacht.

Die erste CSD-Parade 2007 fiel also in eine Zeit in der das gesellschaftliche Klima sehr feindselig war?

Absolut. Wenn ich mich an die ersten Male erinnere … das kann man sich gar nicht vorstellen. Es wurden Tomaten, Steine und Feuerwerkskörper auf unsere Demos geworfen. Ich kam mir vor wie im Krieg. Die Polizei musste uns vor dem Mob schützen, der uns beschimpft und beworfen hat. Ich kannte zwei schwule Männer, die wollten nach der Demo in ein Kaffeehaus und etwas trinken und sie wurden aus dem Lokal rausgeworfen.

Heute gibt es auch viel Solidarität in der Bevölkerung“

Und wie ist die Lage heute?

Heute ist die Lage ganz anders. Seit ein paar Jahren wird die Parade im Fernsehen übertragen. Die Bewegung hat nicht locker gelassen. Die Schwulen und Lesben in Rumänien haben für ihre Rechte gekämpft, waren sichtbar und heute ist diese politische Bewegung nicht mehr aufzuhalten. 2018 waren am CSD über 5.000 Menschen auf der Straße. Ich hoffe wir werden diesmal noch mehr. Es lohnt sich, hartnäckig zu sein. Heute gibt es viel Solidarität in der Bevölkerung. Es ist auch sehr schön, wie viel junge Leute inzwischen dabei sind und den CSD unterstützen. Der Kampf für Gleichberechtigung ist wie eine olympische Fackel, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Für mich sind die Jungen eine große Hoffnung gegen den Nationalismus und die rechten Parteien in Osteuropa. Aber ich finde auch wichtig, dass wir nicht nachlassen. Wir müssen die Bewegung stärken und aufbauen, nur so können wir verteidigen, was wir erkämpft haben.

Ich sage: „Schwule sind die besseren Männer“ und alle Konservativen fallen in Ohnmacht

Was genau hast du auf bei deiner Reise geplant?

Ich komme am Freitag, den 21. Juni in Bukarest an. Ich treffe mich dann abends mit verschiedenen Gruppen wie der Aidshilfe und mit „Accept“, das ist eine der wichtigsten Organisationen für Schwule in Rumänien. Am nächsten Tag bin ich morgens auf einem Empfang in der deutschen Botschaft und dann geht es zur Demo. Ich freue mich schon, mal wieder eine Rede auf Rumänisch zu halten. Man muss immer ein bisschen provozieren. Ich sage dann Sachen wie: „Schwule sind eigentlich die besseren Männer“, und alle Konservativen fallen in Ohnmacht.

Abends gibt es dann wie immer eine Party. Das ist eine Gelegenheit für ein Wiedersehen mit ein paar alten Freunden aus meiner Studienzeit in Bukarest – ein schöner Abschluss für ein Ereignisreiches Wochenende.

(Das Gespräch führte Filippo Capezzone)