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Aynur Karlikli, DIE LINKE. Stuttgart

Gedenken an die rassistischen Morde in Hanau

Kundgebung in Stuttgart am 22.08.2020

Da die Stadt Hanau eine für heute dort geplante Großdemonstration verboten hatte, fand in rund 30 deutschen Städten, darunter auch in Stuttgart, spontane Solidaritäts-Kundgebungen statt.
Aynur Karlikli vom Kreisverband Stuttgart DIE LINKE hielt dazu folgende Rede:

„Wir haben ein Problem in diesem Land.

Das Problem heißt Rassismus.

Alltagsrassismus auf der einen Seite und struktureller Rassismus auf der anderen Seite gehen dabei Hand in Hand.

Zehn Menschen wurden am 19. Februar in Hanau ermordet. Kurz darauf wurde über Fremdenfeindlichkeit, über Ausländerfeindlichkeit berichtet. Aber Ferhat, Mercedes, Sedat, Gökhan, Hamza, Kaloyn, Vili Viorel, Said und Fatih waren in Deutschland nicht fremd. Sie waren und sie bleiben ein Teil von Deutschland, ein Teil von uns.

Über 300 Menschen wurden von Rechtsextremen seit der Wiedervereinigung in Deutschland ermordet. Die Blutspur des Rechtsterrorismus zieht sich seit Jahrzehnten durch Deutschland, und das ist widerlich. Unverzeihlich.

Viel zu lange wurde das Problem des rechten Terrors heruntergespielt. Noch heute geht einigen das Wort „Rechtsterrorismus“ nicht über die Lippen, ohne Linke im selben Atemzug zu erwähnen. Wie peinlich.

Die Gleichsetzung von rechts und links ist angesichts unserer Geschichte - nach NSU, nach dem Mord an Walter Lübcke, nach Halle und Hanau - eine Relativierung von Faschismus und der Gefahr, die von den Nazis ausgeht.

Und hört bitte auf, von Einzelfällen zu sprechen. Damit wird die Gefahr, die von rechts kommt, nur vertuscht.

Jeden Tag werden in Deutschland Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Haarfarbe, ihrer Religion, ihres Namens bepöbelt und angegriffen, im Job diskriminiert oder gar nicht erst eingestellt, werden Moscheen mit Hakenkreuzen beschmiert und Synagogen rund um die Uhr bewacht. Was für ein trauriger Zustand!

Unsere Gesellschaft ist spürbar brutaler geworden. Wir haben ein vergiftetes Klima. Der knallharte Wettbewerbsdruck hat der Gesellschaft den Stempel „Jeder gegen Jeden“ aufgedrückt und den Zusammenhalt erodieren lassen. Wir müssen auch über das Klima reden, in dem Rechtsextremismus gedeiht, ein Klima, in dem die Abwertung des Anderen, des vermeintlich Fremden und angeblich Schwächeren sagbar und auch salonfähig geworden ist. Wenn in dieser Situation Faschisten Hass und Hetze verbreiten, wenn Shisha-Bars verunglimpft und bessere Renten für Deutsche gefordert werden, dann wird zusätzliches Gift in der Gesellschaft versprüht, das den Nährboden für solche Taten schafft.

Es muss ein gemeinsames demokratisches Selbstverständnis in der Gesellschaft verankert werden, mit dem überall Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus und Faschismus ausnahmslos und konsequent bekämpft werden kann. Faschismus ist kein lokales Problem, sondern eines, welches in ganz Europa in Erscheinung tritt. Antifaschismus heißt auch, die Zusammenhänge zu benennen und zu bekämpfen. Solange die Gesellschaft kapitalistisch organisiert ist und bleibt, so lange wird es faschistische Verbrechen als konsequente und logische Folge dieser Herrschaftsform geben. Wir müssen uns die Perspektive einer solidarischen Gesellschaft gemeinsam erkämpfen.

Es geht darum, einen gesellschaftlichen Prozess zu entwickeln - einen Prozess des gegenseitigen Lernens, um erfahren und begreifen zu können, was Solidarität bedeutet.

Aus diesem Grund ist eine solidarische Zusammenarbeit bei der Bekämpfung unabdingbar. So wie die Freiheitsbewegung Kurdistans im Nahen Osten seit Jahrzehnten gegen rassistische Unterdrückung und faschistische Massaker kämpft, sind wir auch hier in der Verantwortung, gegen Rassismus und Faschismus aufzustehen.

Neonazis und der Terroranschlag in Hanau ist das Ergebnis einer staatlichen Politik, welche sich auf dem rechten Auge blind stellt. Das werden wir gemeinsam ändern.

Es muss Jedem klar sein, dass auch wir zu dieser Gesellschaft gehören und auch hierbleiben werden.

Die Chance, unsere gemeinsame Chance liegt darin, die Zukunft gemeinsam zu gestalten, und wir müssen diese Chance auch gemeinsam nutzen.

NIE WIEDER FASCHISMUS! NIE WIEDER KRIEG!

Gemeinsam gegen Faschismus und Rassismus!

Zusammen für Demokratie, Menschlichkeit und Gerechtigkeit!

In diesem Sinne: Hoch die internationale Solidarität!