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Filippo Capezzone und Johanna Tiarks

Offensive für Personalgewinnung jetzt!

Die Fallzahlen von Personen mit Sars-Cov-2-Infektionen steigen seit einigen Wochen wieder rapide – die Zahl der bekannten Neuinfektionen pro Tag überschreitet derzeit die Marke von 20.000 pro Tag. Entsprechend erhöht sich auch der Anteil belegter Intensivbetten. Dass im Herbst, am Ende der „Draußen-Saison“ eine zweite Infektionswelle bevorstehen würde, hat in der öffentlichen und auch wissenschaftlichen Debatte niemand bezweifelt und ist deshalb keine Überraschung.

Unserer Meinung nach wurde viel zu wenig getan, um sich auf die erwartbar wieder steigenden Infektionszahlen vorzubereiten. Z.B. durch einen Kapazitätsaubau von Personal im Gesundheitssystem und insbesondere auf den Intensivstationen. Es wurden zwar mehr Intensivbetten geschaffen – das ist gut – aber nach wie vor fehlt ausreichend Personal um alle diese Betten auch in Betrieb zu nehmen. Wir haben aufgrund des Pflegekräftemangels daher noch weniger Betten frei als die offiziellen Zahlen zeigen. Wie Bernd Riexinger, Bundesvorsitzender der Partei DIE LINKE es in einer Pressemitteilung ausdrückte: „Wir nähern uns der Situation, die immer vermieden werden sollte: Die Zahl der schweren Corona-Fälle droht das Gesundheitssystem zu überlasten.“

Dass einen Personalmangel, der man sträflicherweise über Jahre aufgebaut wurde, nicht in 6 Monaten abgebaut werden kann, mag sein. Aber wo waren diesen Sommer großangelegte Werbeprogramme, um Pflegefachkräfte, die ihrem Ausbildungsberuf (wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Bezahlung) den Rücken gekehrt haben, in die Pflege zurückzuholen? Wo waren klare politische Signale, dass Arbeitsbedingungen und Löhne sich in der Pflege verbessern sollen? Immerhin kam eine Studie von 2018 zu dem Schluss, dass über 100.000 ehemalige Pflegefachkräfte potenziell zurückgewonnen werden könnten. Potenzial besteht also. Die Voraussetzungen für die Rückkehr in den Beruf? Bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und mehr Personal (das waren die Top 3, die die Befragten in der Studie angaben).

Die Regierungen hätten Gelegenheit gehabt ein starkes Signal auszusenden, dass sie bereit wären, die Pflege jetzt endlich aufzuwerten: Eine dauerhafte Lohnzulage von 500 Euro im Monat für Pflegefachkräfte hätte geholfen. Eine vorbehaltlose Erfüllung aller Forderungen der streikenden Beschäftigten in der Tarifrunde im öffentlichen Dienst hätte geholfen. Nichts davon ist geschehen. Mit Ach und Krach, konnten für die Pflege in der Tarifrunden einige Verbesserungen gegen den Widerstand der staatlichen Arbeitgeber erkämpft werden.

Was wir also weiterhin brauchen ist eine Offensive zur Bekämpfung des Personalmangels in der Pflege und insbesondere auch in der Intensivpflege. DIE LINKE. Stuttgart wird sich weiterhin an der Seite der Beschäftigten in den Krankenhäusern und ihrer Gewerkschaft ver.di dafür einsetzen, dass Löhne und Arbeitsbedingungen sich spürbar verbessern.